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Pfarr- und Wallfahrtskirche Pöllauberg


Die Pfarr- und Wallfahrtskirche am Pöllauberg ist eines der Hauptwerke der steirischen Hochgotik. Für das Jahr 1375 ist die Stiftung einer Kaplanei, und für 1384 eine Glasfensterstiftung überliefert. Der großzügig angelegte Kirchenbau konnte zu Ende des 14. Jahrhundert vollendet werden. Der gotische Glockenturm wurde 1678 durch einen Neubau ersetzt, die Turmkuppel entstand erst 1744. Im Jahr 1705 wurden eine neue Sakristei und wenige Jahre später zwei Seitenkapellen hinzugefügt.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche am Pöllauberg ist eines der Hauptwerke der steirischen Hochgotik.

Für das Jahr 1375 ist die Stiftung einer Kaplanei überliefert, und für 1384 wird eine Glasfensterstiftung genannt. Beide Daten setzen einen Kirchenbau voraus, der wohl erst wenige Jahre vorher begonnen und gegen Ende des 14. Jahrhunderts vollendet werden konnte. Im Raumschema, dem eigenartigen Wechsel von der zweischiffigen Halle zum dreischiffigen Chorbereich, folgt Pöllauberg der Wallseerkapelle in Enns (OÖ), die bereits im 2. Viertel des 14. Jahrhunderts entstanden war. Hier wie dort wird der Kirchenbau durch ein 5/8-Polygon abgeschlossen, wodurch ein Chorumgang entsteht. Die Einwölbung erfolgt mit vierteiligen Kreuzrippengewölben, doch wird beim Übergang vom zweischiffigen zum dreischiffigen Raumteil, ebenso wie bei den mit Doppelfenstern versehenen Schrägwänden, der Dreistrahl zur Bewältigung der Wölbesituation angewendet.

Die Freipfeiler haben Bündelform, wobei Birn- und Rundstäbe alternieren. Die Wandvorlagen bestehen aus zarten, gebündelten Rundstäben und werden von Figurenbaldachinen unterbrochen. An den Chorwänden verdichtet sich unter den Fenstern der Dekorationsreichtum zu einer großartigen Maßwerkarchitektur, die flachen Blendarkaden und Sitznischen sind mit reichen, plastisch durchgearbeiteten Kapitellen und Blattmasken ausstattet.

Verbindungen zur Parler Kunst, ebenso wie zur Wiener Dombauhütte sind anzunehmen, werden jedoch in einer recht selbstständigen, besonders reichen Form verarbeitet.

 

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Für die Außenerscheinung ist der Umstand, dass 1674 der gotische Turm zerstört worden ist, zu bedauern. In der Mittelachse war er durch gegliederte Strebepfeiler sowie durch eine reichhaltige Dekoration vorbereitet worden. Das spitzbogige Tor mit Wimperg und zwei hohen seitlichen Fialen findet sich auch in Mariazell oder St. Erhard in der Breitenau. Darüber haben sich noch zwei Etagen mit Blendarkaden erhalten. Der gesamte Turmbereich ist mit dem Langhaus durch eine Vorhalle verklammert, über der sich die Empore mit zwei hohen Spitzbogen in die beiden Kirchenschiffe öffnet.

Der gotische Glockenturm wurde 1678 durch einen frühbarocken Neubau ersetzt, die Turmkuppel in der heutigen Form entstand erst 1744.

Im Glockenturm befinden sich vier Glocken, die größte wurde 1958 in St. Florian gegossen, die zweite und vierte 1950 ebenfalls in St. Florian, während die drittgrößte 1678 der Grazer Gusshütte des Adam Rosstauscher entstammt.

Im Innenraum wurde 1691 vor Aufstellung einer neuen großen Orgel eine dreiachsige frühbarocke Musikempore eingebaut und damit fast das ganze erste Joch des Langhauses verbaut.

Im Jahr 1705 folgte an der Südseite der Kirche eine neue barocke Sakristei und wenige Jahre später zwei barocke Seitenkapellen an der Nordseite des Langhauses.

Von besonderer Bedeutung sind die gotischen Sitznischen im Chorumgang. Hinter einfachen Steinbänken sind flache, spitzbogige Blendarkaden eingelassen. Dazwischen stehen schlanke zierliche Dienste, über denen ausladende Konsolen angebracht sind. Sie zeigen verschiedenes Blattwerk, bizarre Maskenköpfe und geflügelte Symbolfiguren der vier Evangelisten. Den oberen Abschluss bilden baldachinartig vorkragende Maßwerkbögen mit Krabben und Fialen. In der Nordschräge ist ein schlichtes Sakramentshäuschen mit Wimperg und Fialen angebracht.

Von der übrigen Ausstattung hat sich nur das spätgotische Gnadenbild Maria mit dem Jesuskind erhalten. Es thront seit etwa 1714 inmitten eines figurenreichen Himmels im Zentrum des Hochaltars, der zwischen 1714 und 1730 von Marx und Joseph Schokotnig nach Entwürfen des Remigius Horner errichtet worden war. Von der Größe her könnte er ursprünglich für die Stiftskirche in Pöllau vorgesehen worden sein, konnte dort aber wegen des noch unvollendeten Chorbaues nicht aufgestellt werden.

Die 1730 ebenfalls von Remigius Horner entworfene und von Joseph Schokotnig mit Figuren geschmückte Kanzel wurde in der Folge zum Vorbild vieler oststeirischer Kanzeln. Am Kanzelkorb finden sich die Figuren der vier lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor. Am Schalldeckel thront eine Gottvatergruppe, flankiert von den Statuen der vier Evangelisten.

In der nördlichen Kapellenreihe stehen zwei Seitenaltäre mit volkstümlichen Heiligen. Einerseits der Patriziusaltar, hier auch als Fürsprecher der armen Seelen im Fegefeuer dargestellt, und der Floriansaltar, der Heilige hier als Schutzpatron des Stiftes Pöllau dargestellt, flankiert von den Statuen Johann und Paul. Der kleine Seitenaltar neben dem Hochaltar birgt ein Gemälde von Martino Altomonte, die heilige Sippe darstellend (vor 1745).

Auf der 1691 erbauten Musikempore, die mit Stuckzierrat von Joseph Serenio und Malereien von Antonio Maderni geschmückt ist, befindet sich die historische Orgel aus der Zeit um 1684, ein bedeutendes Klangdenkmal Österreichs.

In der gotischen Sakristei ist jetzt eine Andachtskapelle eingerichtet, in der auch einige barocke Votivbilder zu sehen sind. Für die neue Sakristei schuf Mathias von Görz 1711 ein großes Deckenbild, den Stammbaum Jesu darstellend.

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